Gewaltfreie Kommunikation und Systemisches Arbeiten 01

Seit fünf Jahren beschäftige ich mich mit zunehmender Begeisterung neben der Gewaltfreien Kommunikation mit dem systemischen Arbeiten in der Beratung. Parallel zu zwei systemischen Fortbildungen (Strukturaufstellungsarbeit, integrale Paar- und Sexualtherapie) habe ich mich durch das Lesen verschiedener Bücher in die systemische Beratung eingearbeitet und verwende sie immer mehr als Ergänzung zu meiner Arbeit mit der Gewaltfreien Kommunikation. Wo die Gewaltfreie Kommunikation den Einzelnen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt, fügt das systemische Arbeiten das Umfeld, das System eben, hinzu und bereichert die Sichtweise durch diese Kontexterweiterung.

Im „Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung“ von Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer (Vandenhoeck & Ruprecht 2007) beschreiben die Autoren diese Erweiterung aus meiner Sicht sehr deutlich an der Stelle, an der sie über die Entwicklung der Familientherapie durch Virginia Satir schreiben (S. 19). In der Arbeit mit einer Klientin identifizierte Virginia Satir dabei drei verschiedene Ebenen, auf denen sie mit der Klientin gearbeitet hat und arbeiten musste, um eine hilfreiche Veränderung zu erreichen:

  1. intrapsychische Aspekte der Klientin: Gefühle, Bedürfnisse, Verhaltensmuster und Glaubenssätze der Klientin
  2. Kommunikationsaspekte der Klientin mit der Mutter
  3. Strukturaspekte des Systems, hier der Familie: Allianzen, Koalitionen, Einbeziehung eines dritten in einen verdeckten Konflikt, ungeschriebene Regeln

Für die ersten beiden Ebenen ist für mich die Gewaltfreie Kommunikation immer noch das hilfreichste Mittel, das ich kenne. Eine empathische Verbindung mit den vier Schritten als Geländer kann leicht und wirkungsvoll Klarheit darüber geben, was in einer Person oder in der Kommunikation zwischen zwei Personen vorgeht, und wie Dinge gesagt und gehört werden können, so dass es einer guten Verständigung dient. Und die Rückbeziehung auf die Bedürfnisse als Grundlage unseres Seins und als „guten Grund“ für unser Handeln macht eine wertschätzende Akzeptanz und heilende Veränderung möglich. Für die dritte Ebene wiederum öffnet das systemische Arbeiten den Blick und stellt hilfreiche Methoden zur Bearbeitung zur Verfügung, wie z.B. die Aufstellungsarbeit, die die Strukturaspekte in einem räumlichen Bild abbildet und in ihm Entwicklungsimpulse gibt.

In weiteren Artikeln folgt sicher mehr zu dem Zusammenwirken von Gewaltfreier Kommunikation und systemischem Arbeiten, da ich mich damit derzeit viel auseinandersetze.

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