Sweet Darkness – Süße Dunkelheit

Im Jahr 2007 habe ich bei einem Seminar dieses Gedicht des englischen Autors und Dichters David Whyte kennen gelernt: „Sweet Darkness“ (ich zitiere es unten, im englischen Original und in meiner Übersetzung). Das Gedicht findet sich auch auf seiner CD „Midlife and the great Unknown“, in der David Whyte über die Hintergründe und seine Gedanken zu dem Gedicht erzählt. Ich liebe diese CD und finde immer wieder andere Elemente daraus inspirierend. Auch diesmal wieder, als ich sie nach der Erwähnung durch einen Freund wieder hervorkramte.

Die Zeilen (deutsche Übersetzung siehe unten):

„Sometimes it takes darkness
and the sweet confinement of your aloneness
to learn

anything or anyone
that does not bring you alive

is too small for you.“

haben mich schon immer sehr berührt. Und was mich begeistert ist, dass er auf der CD betont, dass dieser Satz “ Alles und jeder, der mich nicht lebendig werden lässt, ist zu klein für mich“ zwei Seiten enthält:

  1. Meine Arbeit, die Beziehung zu einem anderen Menschen, eine Unterhaltung, das alles kann so sein, dass es nicht für mich passt, dass es mich nicht lebendig werden lässt, dass es zu klein für mich ist. Und dann braucht es die Veränderung im Außen, um wieder lebendiger zu werden – oft leichter gesagt als getan
    .
  2. Oder, und das ist aus meiner Erfahrung heraus viel öfter der Fall:
    ICH mache meine Arbeit, die Beziehung zu einem anderen Menschen oder eine Unterhaltung zu klein für mich. Dann muss ich mich fragen: „Wie mache ich es zu klein für mich? Was ist an der Art, wie ich z.B. die Unterhaltung führe, das verhindert, dass mich das Leben erreicht? Dass ich keinen Enthusiasmus spüre? Warum gibt es keine Überraschung für mich?

how did i make it to small for me? what it is about the way i´m holding the conversation that somehow stops life reaching me. stops enthusiasm reaching me. why is there no surprise? to arrange to get really tired of yourself, to get fed up to develop a kind of allergic reaction to the persona that your constantly presenting to the world.

Sweet Darkness (David Whyte)

When your eyes are tired
the world is tired also.

When your vision has gone
no part of the world can find you.

Time to go into the dark
where the night has eyes
to recognize its own.

There you can be sure
you are not beyond love.

The dark will be your womb tonight.

The night will give you a horizon
further than you can see.

You must learn one thing:
the world was made to be free in.

Give up all the other worlds
except the one to which you belong.

Sometimes it takes darkness
and the sweet confinement of your aloneness
to learn

anything or anyone
that does not bring you alive

is too small for you.

Süße Dunkelheit (David Whyte)

Wenn deine Augen müde sind
ist die Welt auch müde.

Wenn deine Vision dich verlassen hat
kann dich kein Teil der Welt finden.

Dann ist es Zeit, ins Dunkel zu gehen,
wo die Nacht Augen hat,
um die ihren zu erkennen.

Dort kannst du sicher sein,
du bist nicht jenseits der Liebe.

Die Dunkelheit ist heute Nacht dein Schoß.

Die Nacht schenkt dir einen Horizont,
weiter als du blicken kannst.

Eines musst du lernen:
die Welt wurde geschaffen, um in ihr frei zu sein.

Gib all die anderen Welten auf
außer der einen, zu der du gehörst.

Manchmal braucht es Dunkelheit und die süße Begrenzung deiner Einsamkeit,
um zu erkennen,

Dass alles oder jeder, der dich nicht lebendig werden lässt,

zu klein ist für dich.

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